Suchen

Grundlagenwissen Oszilloskope Sampling- vs. Echtzeit-Oszilloskop – worauf zu achten ist

| Autor / Redakteur: Klaus Höing * / Hendrik Härter

Es kommt nicht nur auf die notwendige Bandbreite an, sondern auch welche Fehler man aufspüren möchte. Wir zeigen, worauf es bei der Auswahl des Oszilloskops ankommt.

Firma zum Thema

Echtzeit- oder Sampling-Oszilloskop: Das DSA-X 93204A von Agilent ist ein Sampling-Scope, dessen Display ein Augendiagramm zeigt.
Echtzeit- oder Sampling-Oszilloskop: Das DSA-X 93204A von Agilent ist ein Sampling-Scope, dessen Display ein Augendiagramm zeigt.
( dataTec)

Die Wahl des richtigen Oszilloskop-Typs ist nicht nur eine Frage der nötigen Bandbreite, sondern auch eine Frage, welchem Fehler man in einem System auf der Spur ist. Wählt man den falschen Oszilloskop-Typ, so können Fehler retuschiert werden. Das bedeutet, dass man ihn nicht einmal erkennt.

Auch mit den heutigen hochperformanten Systemen ist diese Entscheidung nicht immer klar. Es wird aufgezeigt, wie sich die Signalaufnahme und –verarbeitung unterscheiden und welche Fehlerarten sich am Besten mit welchem Oszilloskop-Typ beobachten bzw. finden lassen. Dazu sind nicht nur die unterschiedlichen Signalaufnahmen zu beachten sondern auch der Trigger-Verarbeitung kommt wesentliche Bedeutung zu.

Bildergalerie

Das Echtzeit-Oszilloskop und das Signal

Oft wird ein Echtzeit-Oszilloskop auch als sogenanntes Single-Shot-Oszilloskop bezeichnet. Zu einer definierten Triggerbedingung wird eine Signal-Aufnahme und -Digitalisierung gestartet und in zeitäquidistanten Abständen eine jeweilige Signalprobe aufgenommen, digitalisiert und in den Speicher geschrieben. Je kürzer die Folge der einzelnen Abtastungen ist, desto originalgetreuer kann das Signal auf dem Bildschirm dargestellt werden. Das bedeutet eine hohe Anzahl an Signalpunkten, die während einer Signalerfassung aufgenommen und verarbeitet werden müssen, bis der Speicher voll geschrieben ist.

Diese Art der Datenerfassung erfordert einen sehr schnellen Analog-Digital-Wandler, wobei die Abtastrate die Aufeinanderfolge der Abtastzeitpunkte definiert, während die Speichertiefe die Anzahl der darstellbaren Messpunkte auf dem Display bestimmt. Und damit liegt schon eine Randbedingung fest: die Abtastrate muss deutlich höher sein wie die Frequenz des zu messenden Signals. Bei heutigen Echtzeit-Oszilloskopen liegt die Samplerate bei einem Wert von 80 GSa/s, mit der Signale mit einer Bandbreite von 63 GHz erfasst werden können.

Bei einem Echtzeit-Oszilloskop kann die Triggerung durch das Signal selbst erfolgen, wenn die Triggerbedingungen zuvor definiert sind. In den meisten Fällen wird ein Trigger ausgelöst, wenn die Amplitude eines Signals einen bestimmten Schwellwert erreicht hat. Das ist dann der Zeitpunkt an dem das Oszilloskop unkorreliert und asynchron zur Datenrate des Eingangssignals die Messwertaufnahme startet, wobei die Abtastrate von einem internen Taktgenerator bestimmt wird. Der zu diesem Zeitpunkt aufgenommene Signalwert wird digitalisiert und im Speicher abgelegt. Danach erfolgt die nächste Datenaufnahme (Bild 1).

Der Unterschied zu einem Sampling-Oszilloskop

Bei diesem Oszilloskop-Typ wird im Gegensatz zu den Echtzeit-Oszilloskopen pro Trigger-Ereignis nur ein Amplitudenwert des Eingangssignals digitalisiert. Wird das Trigger-Ereignis ein weiteres Mal ausgelöst, so wird jeweils zum darauffolgenden Abtastzeitpunkt ein kleines Zeitinkrement dazu addiert. Dieses Vorgehen führt dazu, dass für n Abtastzeitpunkte auch n Zyklen des Eingangssignals benötigt werden, um das Eingangssignal zu digitalisieren und auf dem Display zu reproduzieren. Die Messbandbreite wird durch die Bandbreite der Abtasteinheit bestimmt, die derzeit bei über 80 GHz liegt.

Ergänzendes zum Thema
Vor- und Nachteile der Oszilloskop-Typen

Für das Echtzeit-Oszilloskop sprechen:

  • Es ist möglich, einmalige oder sehr selten vorkommende Transienten darzustellen
  • Es wird bei solch einem Gerät kein expliziter Trigger benötigt
  • Es muss kein periodisches Eingangs-Signal vorliegen
  • Messungen des Jitters sind Zyklus für Zyklus möglich
  • Es sind lange Aufzeichnungen des Eingangssignals möglich und nur abhängig von der Speichergröße
  • Sehr gut geeignet zum Erkennen von singulären oder seltenen Signalereignissen und Signal-Fehlabweichungen

Für das Sampling-Oszilloskop sprechen:

  • Eine geringere Abtastrate erlaubt eine höhere Amplitudenauflösung beim Analog-Digital-Konverter
  • Höhere Bandbreite
  • Geringerer Eigenjitter
  • Das Sampling-Oszilloskop kann sowohl mit rein elektrischen Eingängen als auch mit optischen Eingängen bestückt werden.
  • Ist typischer Weise ein günstigeres Investment.

Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen der Triggerung bei einem Smapling- und bei einem Echtzeit-Oszilloskop. Und der wichtigste Unterschied ist, dass für das Sampling-Oszilloskop ein expliziter Trigger notwendig ist. Denn dieser Trigger wiederum muss synchron mit dem Eingangssignal erfolgen. Typischer Weise wird der Trigger von Seiten des Anwenders zur Verfügung gestellt in selteneren Fällen kann der Trigger aus einem Modul zur Taktwiederaufbereitung herrühren. Der Messablauf geht folgender maßen von Statten: Ein Triggerereignis initiiert eine Abtastung des ersten Wertes. Danach bereitet sich das Oszilloskop auf das zweite Triggerereignis vor, wobei diese Zeitspanne der Vorbereitung ungefähr 25 µs dauert.

Trifft das zweite Triggerereignis ein, wird eine Abtastung vorbereitet, die aber um ein Zeitinkrement später erfolgt wie beim vorigen Abtastereignis. Das Zeitinkrement wird bestimmt durch die am Oszilloskop eingestellte Zeitsbasis und durch die Anzahl der am Display dargestellten Punkte. Dieser Prozess läuft so lange weiter, bis der Speicher für eine Signaldarstellung auf dem Display voll ist (Bild 2).

Wie sich das Sampling-Oszilloskop triggern lässt

Es gibt zwei Möglichkeiten ein Sampling-Oszilloskop zu triggern, was sich in unterschiedlichen Darstellungsformen wiederspiegelt. Es ist einmal die Darstellung einer Bitfolge zum anderen die Augendiagramm-Darstellung. Bei der Darstellung einer Bitfolge kann der Anwender die Abhängigkeit des Bitmusters im System verfolgen. Der Trigger muss nur einmal pro Periode des Bitmusters erfolgen und muss sich für die nachfolgenden Bitmusterperioden an derselben relativen Stelle des Bitmusters befinden (Bild 3).

Die andere Darstellungsart ist das sogenannte Augendiagramm, welches kein periodisches Signal erfordert. Es wird typischer Weise zur Messung von Jitter, Verzerrungen und zur Beurteilung der Signalqualität eingesetzt. Das Augendiagramm bietet einen statistischen Überblick der System-Performance denn es legt unabhängig vom Bitzustand die einzelnen Pulse und Pulsfolgen übereinander. Der notwendige Trigger ist ein zum Bitstrom synchroner Takt. Bei jedem Trigger-Event, der auf die Vorbereitungszeit folgt, wird das Signal abgetastet und alle möglichen Kombinationen von „0“ und „1“ werden übereinander gelegt.

Genaue Augendiagramm-Messungen erstellen

Sowohl die Signaltaktrate als auch Bruchteile davon können als Trigger-Signal genutzt werden. Ist allerdings die Signal-Bitfolgenlänge ein Vielfaches der Taktfolge, so wird nur ein Teil der Bitfolge für die Darstellung des Augendiagramms genutzt. Der fehlende Teil geht verloren und kann zur Beurteilung nicht herangezogen werden. Wird der Datenstrom als sein eigener Trigger verwendet, so mag das Augendiagramm als komplett erscheinen. Das Augendiagramm wird beispielsweise nur mit positiven Flanken des Datenstromes auf das Display geschrieben. Das ist zu vermeiden, um genaue Augendiagramm-Messungen durchzuführen.

In Bild 4 ist der Triggerprozess für ein Augendiagramm durch ein Sampling-Oszilloskops dargestellt. Das Bild am Anfang des Beitrags zeigt das DSA-X 93204A, dessen Display ein Augendiagramm zeigt. Auffällig bei diesem Augendiagramm ist, dass es Signalzustände gibt, die nicht die übliche Signalhöhe beziehungsweise nicht ganz auf den 0-Pegel gehen. Das Auge wird kleiner und schmaler. Für ein Übertragungssystem wird es schwieriger, die Signalzustände eindeutig nach Zeit und Amplitude zu interpretieren. Ein Augendiagramm lässt sich erzeugen, indem softwaremäßig aus dem abgetasteten Signal ein Takt regeneriert oder ein externer Takt zugeführt wird. Das aufgenommene Signal wird in gleich lange Teile aufgeteilt, entsprechend einer ganzen Anzahl an Taktperioden. Die gleichlangen Signalteile werden auf dem Display übereinander gelegt.

* Klaus Höing studierte Elektrotechnik in Stuttgart und ist bei dataTec für die PR zuständig.

(ID:42572173)